Die Tour mit meinem Bruder begann im grünen Tal, auf über 3000 Metern Höhe, wo wir noch angenehme Temperaturen hatten und unsere Jacken in den Rücksäcken verstaut hielten. Doch je weiter wir an Höhe gewannen, umso mehr veränderte sich das Wetter und auch die Temperaturen sanken. Vollbepackt mit wetterfester Kleidung kämpften wir irgendwann gegen den Wind an, der uns bei der kleinsten Unaufmerksamkeit weggeblasen hätte. Inzwischen war auch der Boden steinig geworden und nicht mehr von Pflanzen umgeben. Sogar der Regen, der in den letzten 1000 Höhenmetern begann, hatte sich in eisigen Schnee verwandelt.

Schließlich, nach mehreren Stunden Fußweg, hatten wir es endlich geschafft und konnten die Spitze des Berges sehen. Der Gedanke an die Aussicht, die uns dort erwarten sollte, gab uns die nötige Motivation und wir beschleunigten unser Tempo für ein letztes Mal. An der Bergspitze angekommen wendete ich meinen Blick in Richtung Tal und zu den bunten Bergen. Doch noch bevor ich hinunterschauen konnte, wurde mein Blick von diesem kleinen Jungen festgehalten, der sein Lama fest in den Händen hielt und friedlich auf dem Boden saß. Seine Kleidung war vom Schnee durchnässt und auch seine übergroßen Sandalen schützen ihn kaum vor der Kälte. Und trotzdem bewahrte er mehr Ruhe, wie jeder andere von uns.

Junger Quechua, ich danke dir, dass du in eisiger Kälte mein Herz erwärmt und mir gezeigt hast, dass auch Kälte relativ sein kann.

WANN

März 2018

WO

Auf dem über 5200 Meter hohen Vinicunca in Peru. Der Berg wird auch Rainbow Mountain genannt und ist eines der meist besuchten Sehenswürdigkeiten in Perus Natur. Neben der einzigartigen Landschaft sind es die farblichen Berge, die hier die Touristen anlocken. Daher wird der Berg auch „Montaña de los 7 colores“ genannt, was Berg der sieben Farben bedeutet.